Ein Schaukelstuhl und das 20. Jahrhundert

Ich verbringe das WochenendeLanges Leben mit meiner Großmutter, die in wenigen Wochen ihren 99. Geburtstag feiern wird.

Je älter sie wird, desto mehr Geschichten aus ihrer Vergangenheit fallen ihr ein. Ich lasse  von immer neuen Facetten ihrer Vergangenheit beeindrucken. Ja, natürlich, es gibt einige Geschichten, die ganz

oben in der Erinnerung aufliegen und die sie immer wieder erzählt.  Aber interessanterweise kommen jedes Mal, wenn ich sie besuche, neue Geschichten dazu. Geschichten, die irgendwo aus der Tiefe ihrer Erinnerung nach oben drängen.

Gerne lausche ich ihren Erzählungen. Sie sind für mich die gelebte Geschichte des 20. Jahrhunderts sind. Meine Großmutter wurde noch zu Kaiserzeiten geboren. Sie hat zwei Weltkriege überlebt. Nach der Aussiedlung aus dem Sudetenland in Süddeutschland haben sie und mein Großvater mit wenigen Koffern und zwei kleinen Kindern ein neues Leben begonnen.

Vor diesem Hintergrund bekommt die oftmals zitierte Schaukelstuhl-Frage: „Was will ich meinen Enkeln erzählen, wenn ich im hohen Alter in meinem Garten im Schaukelstuhl sitze und auf mein Leben zurückblicke?“  eine ganz andere Konnotation. Ich frage mich, worauf will ich am Ende meines Lebens zurückblicken? Während ich über meine eigenen Antworten auf diese Frage nachdenke, stelle ich fest, dass ich wie selbstverständlich davon ausgehe, meinen Enkeln nicht vom Überleben im Krieg zu erzählen. Interessant, was einem inzwischen so selbstverständlich vorkommt.

 

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